Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V.
Landesgruppe Hessen

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Projektabsteckung durch den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur (ÖbVI)

Die Projektabsteckung ist die Übertragung des geplanten Bauwerkes entsprechend seiner vorgesehenen und genehmigten Lage und Höhe in die Örtlichkeit. Die Gebäudeabsteckung vor Baubeginn ist in § 65 (2) der Hessischen Bauordnung (HBO) zwingend vorgeschrieben. Durch die Absteckung hat der Bauherr die Sicherheit, dass sein Projekt nach Lage und Höhe richtig steht, wenn es wie abgesteckt auch gebaut wird. Die Nachbarn haben die Sicherheit, dass -wenn wie abgesteckt gebaut wird - die Baugenehmigung eingehalten ist und dadurch ihre Rechte gewahrt sind.

Die Projektabsteckung dient also der Rechtssicherheit und ist Grundlage des Nachbarfriedens. Eine Projektabsteckung umfasst im Allgemeinen 3 Arbeitsschritte:

1. Kontrolle der Absteckungsgrundlagen (Projektpläne) 
2. Örtliche Messung und Kennzeichnung, Grob- u. Feinabsteckung
3. Prüfung der Absteckung und Ausstellen einer Bescheinigung für das Bauaufsichtsamt.

1. Kontrolle der Absteckungsgrundlagen

Absteckungsgrundlage ist im Regelfall die Baugenehmigung. Die Kontrolle der Absteckungsgrundlagen seitens des ÖbVI beinhaltet dabei:

- einen Vergleich des Liegenschaftsplans mit den Bauplänen, um eventuelle Maßwidersprüche zu klären
- die Höhenfestlegung bzw. die anzutragende Höhe 
- bei Grenzbebauung die Abstimmung über die Stärke der vorgesehenen Dämmung.

Wurde der Liegenschaftsplan von einem ÖbVI gefertigt und das Projekt berechnet sowie eingetragen, dann ist sichergestellt, dass die Abstandsflächen und Grenzabstände eingehalten sind. Liegt bei der Absteckung die Baugenehmigung noch nicht vor und/oder wurde der Liegenschaftsplan nicht von einem ÖbVI gefertigt, dann soll oft nach (vorläufigen) Bauplänen abgesteckt werden. Der ÖbVI prüft in diesen Fällen sehr sorgfältig die Lage des Projektes in Bezug zu den Grundstücksgrenzen. Bei schwierigen Grenzverhältnissen (z.B. alter Ortskern) kann dies sehr aufwendig sein. 

2. Örtliche Messung

Es ist für den Bauherrn und den ÖbVI vorteilhaft, wenn der Termin für die Absteckung frühzeitig feststeht. Der ÖbVI hat dann genügend Zeit, die Kontrolle der Absteckgrundlage durchzuführen. Wurden von dem ÖbVI an diesem Baugrundstück noch keine Arbeiten (z.B. Liegenschaftsplan, Grenzfeststellung) durchgeführt, so muss er sich die für die Absteckung notwendigen Vermessungsunterlagen (Nachweis der Grundstücksgrenzen, Vermessungsrisse, Koordinaten usw.) besorgen. Der Vorteil für den Bauherrn, einen ÖbVI mit der Absteckung zu betrauen, liegt in der Terminsicherheit und in der gewissenhaften Vorbereitung sowie in der zügigen Durchführung der Absteckung.

Wenn Grenzmarken fehlen, die Grenze unregelmäßig verläuft oder der Höhenanschluss unsicher ist, empfiehlt es sich, vor den Erdarbeiten eine Grobabsteckung mit Höhenantrag durchführen zu lassen. Diese Absteckung dient oft als Grundlage für den Erdaushub.
Die Lage des Baukörpers wird dabei auf 5 bis 10 Zentimeter genau markiert, die Höhe zweckmäßigerweise schon zentimetergenau angetragen. Somit ist gesichert, dass die Baugrube die richtige Dimension sowohl von der Lage als auch von der Tiefe aufweist.

Bei der Feinabsteckung wird das Projekt (Baukörper) zentimetergenau entsprechend dem Wunsch des Bauherrn oder der Baufirma auf dem Boden in der Baugrube oder auf ein bauseits zu stellendes Schnurgerüst markiert. Wurde auf dem Boden abgesteckt, so müssen diese Punkte später evtl. auf das Schnurgerüst übertragen werden. Soll eine Höhe angetragen werden, wird hierfür eine günstige Stelle (z.B. Schnurgerüstpfosten, Nachbargarage) gewählt und es wird das Höhenmaß angeschrieben.

Bei fast allen Neubauprojekten ist deren Lage auf die Grundstücksgrenzen bezogen. Daher sind diese Grenzen vor der eigentlichen Absteckung aufzusuchen und die Grenzpunkte auf ihre richtige Lage zu prüfen. Nicht selten beansprucht dies, insbesondere wenn die Grenzmarkierungen fehlen, tief sitzen oder schwer zugänglich sind, mehr Zeit als die eigentliche Projektabsteckung. Fehlende Grenzzeichen sollten im Zuge dieser Grenzüberprüfung zweckmäßigerweise abgemarkt werden; dies erspart dem Bauherrn Kosten und vereinfacht spätere Vermessungen.

Die abgesteckten Punkte werden zum Abschluss der Messung sowohl bezüglich der Projektmaße als auch der Grenzabstände und der Höhen kontrolliert. 

3. Prüfung

Im Büro wird die durchgeführte Messung von einem anderen Mitarbeiter unabhängig geprüft. Der Bauherr und der Architekt erhalten eine Absteckungsskizze, in der das abgesteckte Projekt mit seinen Maßen, bestimmenden Grenzabständen und evtl. der angetragenen Höhe dargestellt ist. Die Skizze enthält außerdem die Art der Vermarkung (Nagel, Pflock mit Nagel, Rohr usw.) und, sofern nötig, andere wichtige Hinweise.

Zur Vorlage bei der Bauaufsicht wird auf Wunsch eine Absteckungsbescheinigung ausgestellt. In dieser wird die Übereinstimmung zwischen dem genehmigten und dem abgesteckten Projekt bescheinigt oder auf Abweichungen unter Angabe der Gründe hingewiesen. Liegt eine Baugenehmigung nicht vor, wird das Projekt in der Bescheinigung maßlich dargestellt.

Mit der Absteckungsskizze und der Absteckungsbescheinigung wird dem Bauherrn dokumentiert, dass sein Projekt entsprechend den Vorgaben bzw. der Baugenehmigung örtlich festgelegt wurde. Der ausführende ÖbVI übernimmt hierfür die Verantwortung. 

4. Kosten

Das Honorar für die Projektabsteckung (Grob- und/oder Feinabsteckung) orientiert sich an der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). In die Honorarbemessung fließen der Herstellungswert des Projekts und der Umfang der Leistung ein.